Mainova IRONMAN European Championship: Regina Kaurisch und Thomas Beisswenger lösen Hawaii-Slot

Frankfurt, 30. Juni 2019 - (web) Extreme Bedingungen beim Ironman Frankfurt – Thomas Beisswenger wird Europameister in Frankfurt, Regina Kaurisch holt den Vizetitel.

Strahlend kommt Regina Kaurisch (Triathlon Wetterau) vom Tisch ihrer Mitstreiterin Riitta Knodt bei der Siegerehrung der Ironman-Europameisterschaften in der Frankfurter Eissporthalle zurück: „Rita fährt nicht Hawaii, damit habe ich den Slot für die Weltmeisterschaften am 12. Oktober“, jubelt die dynamische 59jährige. 

Regina Hawaii-Slot
Regina Kaurisch holt sich einen weiteren Stern vom Himmel und startet auf der WM auf Hawaii.


Damit hat sich Kaurisch, die am Samstag ihren 60. Geburtstag feiert, wohl das größte Geburtstagsgeschenk selbst gemacht. Sie wurde am Sonntag bei fast 40° Vize-Europameisterin der W 60. 3,8 Kilometer Schwimmen ohne Neoprenanzug im Langener Waldsee, 185 Kilometer Radfahren mit 1500 Höhenmetern und 42,195 Kilometer Laufen in praller Sonne am Main entlang liegen hinter der Schwalheimerin. „Mein Trainer Oliver Weber hat mich perfekt darauf vorbereitet und mich genau wie mein Vereinskollege, der Internist  Thomas Meyer darauf gebrieft, an jeder Verpflegungsstelle zu trinken und meinen Kopf mit Eis unter der Mütze zu kühlen. Sonst hätte ich das Laufen bei den Bedingungen nie so durchgestanden.“

Regina IM Frankfurt 2019
Regina Kaurisch läuft zum Vize-Europameistertitel (Foto Tanja Weber).


Bedingungen schlimmer als auf der WM auf Hawaii hätten geherrscht, sagen die Finisher unisono. So extrem sei die Hitze am Sonntag gewesen. In der zweiten Radrunde war der Wind nicht mehr kühlend, sondern wie ein heißer Föhn. „Besonders die letzten Kilometer ab Friedberg nach Frankfurt waren schlimm“, erzählt Kaurisch. Der Wind hatte deutlich zugenommen und erschwerte die letzten 30 Radkilometer. „In Petterweil war es super“, so Kaurisch. „Hier gab es ein richtiges Stimmungsnest und ich hatte gleich wieder mehr Druck auf die Pedale.“

Überhaupt sei die Motivation durch die Zuschauer fantastisch gewesen, die vier Laufrunden auf der Sachsenhäuser- und Römerseite in Frankfurt dadurch kurzweiliger geworden. „Ich habe viele Athleten am Straßenrand sitzen sehen“, sagt Kaurisch. „Schon auf dem Rad gab es zahlreiche Ausfälle.“ Lediglich 2.000 der 3.000 gestarteten Athleten haben gefinisht. Als sie um 20:30 Uhr über die Ziellinie auf dem Römerberg läuft, hat sie Gänsehaut-Feeling. 13:49 Stunden benötigte Kaurisch. Mit einem 29er-Schnitt fuhr sie die 185 profilierten Kilometer und ging als erste W60erin auf die Laufstrecke. Bei Kilometer 20 zog Riitta Knodt, Spiridon Frankfurt an ihr vorbei. „Ich wusste, ich liege auf Medaillenkurs“, sagt Kaurisch. „Aufgeben war nie eine Option.“ Und Aufgeben wird sie auch nicht am 12. Oktober auf Hawaii, den Slot hat sie am Montagmittag angenommen.

Thomas Beisswenger läuft im zweiten Halbmarathon zum Europameistertitel

Thomas Beisswenger (Fun-Ball Dortelweil) stieg erst 2017 in den Triathlonsport ein. Schwimmen und Radfahren musste er da antrainieren. Zwar ist er seit 1988 Läufer, konnte aber aus beruflichen Gründen nicht viel Zeit in sein Training stecken. 3:13 Stunden ist seine Marathonbestzeit.

Nach den 185 Radkilometern war Beisswenger Dritter. In der zweiten Radrunde hatte er Wadenkrämpfe, konnte die Anstiege nur verhalten hochfahren. Beim Laufen allerdings lockerten sich die Waden wieder. Nach vier Laufkilometern lag Beisswenger bereits auf dem zweiten Platz der M 65. „Zu Beginn der 42 Laufkilometer hatte ich 40 Minuten Rückstand zu dem Ersten meiner Altersklasse“, sagt Beisswenger. Nach dem Halbmarathon waren es immer noch 28 Minuten. „Mein Vereinskollege Joe Kopp, der krankheitsbedingt nicht starten konnte, rief mir hier zu, ich müsse lediglich 1:45 Minuten schneller pro Kilometer laufen.“.Das war zwar unrealisistisch, aber ich habe alles gegeben, mental meine Schmerzen weggeblendet und mich auf das Finish auf dem roten Teppich fokusiert. Beisswenger lief den Marathon in 4:24 Stunden und damit im Laufen knapp eine Stunde schneller als der Zweitplatzierte Raimund Schultz. Lediglich vier Athleten der M65 erreichten die Ziellinie am Sonntag, acht weitere gestartete konnten nicht finishen. „Natürlich nehme ich den Hawaii-Slot an und fliege Ende September nach Big Island“, freut sich Beisswenger.

Jürgen Braun (Fun-Ball Dortelweil) finishte nach 11:33 Stunden als 42. der M 50. „Mein Schwimmen war aufgrund des Neo-Verbotes – der Langener Waldsee hatte über 25 ° - 17 Minuten langsamer als 2017“, sagt Braun. Auf den ersten 55 Radkilometern konnte Braun zunächst nicht mehr schalten und wurde scharenweise in der Ebene und bergab überholt. Nachdem das Problem behoben war, startete er ab Ilbenstadt durch. Das Laufen verlief die ersten drei Kilometer zäh, aber durch permanente Kühlung und Trinken an jeder Verpflegungsstelle, Stecken von Eiswürfeln in den Einteiler, Begießen der Armlinge mit kaltem Wasser, nassen Schwämmen im Nacken ging es weiter. „Zwar habe ich mein Ziel unter 10:30 zu finishen nicht erreicht, aber wenn man die äußeren Bedingungen betrachtet, bin ich total zufrieden“, sagt Braun. „Schließlich bin ich deutlich besser als 2017 platziert, hier war ich 67.“

Anna-Lena Mattheis gehörte am Ironman-Sonntag zu den Rookies. In ihrem ersten Start über die Langdistanz finishte sie mit 13:13:48 Stunden als 22. der W 30. „Es ist ein unbeschreibliches Gefühl, voller Emotionen, Dankbarkeit, Durchhaltevermögen und ein mega Endorphinkick über den roten Teppich zu laufen. Das zu teilen, mit den Menschen, die mich auf meinen Weg begleitet haben ist die Krönung meines Traumes“, sagt die Bad Vilbelerin.

Ebenfalls aus Bad Vilbel ist Routinier Andreas Klause (Eintracht Frankfurt). Der Paris-Brest-Paris Bezwinger über 1.200 Kilometer im Sattel und mehrfache Hawaii-Finisher zog sein Rennen konstant durch: In der M 55 wurde Klause in 11:31:41 Stunden Zwölfter. „Mit der Hitze bin ich erstaunlich gut zurechtgekommen“, so Klause. „In der ersten Radrunde hatte ich eine Zeitstrafe von fünf Minuten wegen Windschattenfahrens und musste die Penalty-Box aufsuchen, natürlich bin ich nicht absichtlich am Hinterrad gefahren, aber es war sehr voll in meinem Tempobereich.“ Viele Freunde und Bekannte an der Strecke machten den Marathon zum Erlebnis, das Finishen stand für ihn nie in Frage.

Ein richtiges Drama erlebte Klaus Scheer (Triathlon Wetterau). Der Bruchenbrückener erhielt 12 Tage vor seinem Start die Diagnose Sehnenscheidentzündung an der Schienbeinkante. Für ihn brach eine Welt zusammen: Bewegungsverbot, entzündungshemmende Medikamente, Quarkwickel und Kühlen... mehr war nicht drin. Am Start dann schließlich versuchte er die 3,8 Kilometer ohne Beinschlag zu schwimmen. Nach zwei starken Krämpfen im Langener Waldsee erreichte er das Ufer. „Wäre das Kajak beim zweiten Mal nicht in der Nähe gewesen, ich weiß nicht, was passiert wäre“, sagt Scheer.

Auf dem Rad machte sich die Sehne ab Kilometer 100 bemerkbar, auch hier konnte er nicht ziehen, sondern nur vorne drücken. Beim Laufen stellte er nach der ersten Rennhälfte fest, dass ein Finish vor 22 Uhr möglich wäre und zog den Ironman durch. 14:48 Stunden zeigte die Uhr im Ziel für ihn, 243. wurde er in der M 50. „You are an Ironman“, das konnte er mit nach Hause nehmen, auch wenn er am nächsten Tag wie so viele Finisher in der Eissporthalle durch das Awards Banquet humpelte.

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