Jörg Jung wird Europameister im Triathlon

(web) Frankfurt, 05.07.2015 – Strukturierte Renneinteilung und Aufholjagd beim Laufen

Jörg Europameister
Jörg Jung im Trikot des Triathlon Europameisters in der Frankfurter Eissporthalle (Foto Jung).


Als Jörg Jung, Triathlon Wetterau, am Sonntag nach 9:43:23 Stunden über den Roten Teppich am Frankfurter Römer lief, hatte er den wohl größten Erfolg seiner Triathlon-Laufbahn erreicht: den Sieg der AK 45 bei den Europameisterschaften im Ironman-Triathlon! „Damit habe ich definitiv nicht gerrechnet“, bilanziert der strukturierte Athlet am Telefon, „mein Ziel war ein Platz unter den Top Ten der AK 45 um mir erneut meinen Traum der Hawaii-Qualifikation zu erfüllen“.

Vorbereitet hat sich der Butzbacher mit 50% weniger Trainingsstunden als zu Beginn seiner Langdistanz-Triathlon-Karriere in 2011. 2 Verletzungspausen im Januar und April mit 4wöchigem Laufverzicht aufgrund Problemen an der Oberschenkelaußenseite musste Jung einlegen. „Man muss, um lange diese Sportart gesund betreiben zu können, dem Verschleiss an den Gelenken und Muskeln hinsichtlich des Laufpensums Tribut zollen, um überhaupt gesund an die Startlinie gehen zu können“, gesteht Jung, der mit 45 zwar im mittleren Lebensalter aber im sportlichen Alter auch kein Jungspund mehr ist. „Auch wenn mir das vielleicht niemand glaubt, aber ich bin in der Woche nicht mehr wie 3 Einheiten gelaufen.“ 4-6 lange Läufe  mit 35 Kilometer Länge habe er seit Ende April gemacht, eine Koppeleinheit mit einem 8-10 Kilometer langen Lauf nach dem Radfahren schneller als die Marathongeschwindigkeit beim IM sowie eine Hügellaufeinheit im profilierten Butzbacher Stadtwald waren im Großen und Ganzen seine Laufinhalte. Auch auf dem Rad sei er kaum mehr als 3 Stunden auf dem Sattel gesessen. Er habe viel von Lubos Bilek, dem Trainer vom Weltmeister Sebastian Kienle, dem er zufällig während 2er Wettkampfreisen begegnet sei, in Bezug auf die Trainingsplanung gelernt und sei in seiner eigenen Planung eng in Kontakt mit einem ehemaligen Profitriathleten gewesen. Dabei war der oberste Grundsatz, immer auf den eigenen Körper zu hören. „Nach harten Einheiten lege ich immer einen Regenerationstag ein, an dem ich fast nichts trainiere oder nur locker schwimme, nur so schlägt das Training an, 2 Belastungswochen folgt eine Entlastungswoche mit 2 richtigen Ruhetagen“, bilanziert Jung. Keinen Wettkampf hat Jörg Jung dieses Jahr zur Ironman-Vorbereitung bzw. Formüberprüfung absolviert, sondern alles auf eine Karte gesetzt: Am 05.07. gesund und in Topform an den Start gehen zu können.

Und dies hat sich ausgezahlt, beim 3,8 Kilometer Schwimmen im 26° warmen Langener Waldsee ohne Neoprenanzug verlor Jung mit 1:05:35 Stunden zwar ca. 4 Minuten auf seine Zeit mit Neo, bezog aber nur bis zur ersten Boje „Prügel“, dann zog sich das Startfeld der 2500 Agegrouper-Athleten bereits auseinander. Im Wasser ging er nie ans Limit, hatte er doch Respekt vor den anstehenden Strapazen bei angekündigten 37° Außentemperatur am Längsten und einem der heißesten Tage des Jahres. Die 180 kilometerlange Strecke fuhr Jung mit seinem neuen Zeitfahrrad nach Herzfrequenzvorgabe, wobei er sich aufgrund der klimatischen Bedingungen nach seinen Hawai`i-Werten orientierte. Auch hier teilte er sich seine Energie gut ein: „Am Berg habe ich mich nie total verausgabt, auf dem welligeren Teil der Radstrecke von Frankfurt nach Friedberg leicht gedrückt, auf dem Rückweg das Tempo dann leicht rausgenommen, die letzten 20 Kilometer in der Mittagshitze war der Sahara-Wind gefühlt so heiß wie Hawaii, hier bin ich bewusst etwas lockerer gefahren, mein Durchschnitt fiel von 36 Km/h auf 35, um mich für den anschließenden Marathon zu lockern.“

Nach starken 5:07:26 Stunden Radzeit lief Jung in die Wechselzone am Main, hier wurde er zunächst von den hitzegeplagten Helfern in den falschen Gang eingewiesen und verlor ca. 30 Sekunden, ehe er seinen roten Wechselbeutel mit den Turnschuhen fand. In seiner stärksten Disziplin - immerhin kann Jung als TSV Friedberg-Fauerbach-Läufer eine Bestzeit von 15:10 Minuten im 5 Kilometer-Bahnlauf vorweisen - dem abschließenden Marathonlauf, hatte er aufgrund einer verbesserten Sitzposition auf seiner Rennmaschine, deutlich weniger schwere Beine als bei vorherigen Rennen. Die ersten 14 Laufkilometer fielen ihm trotz mittlerweile fast 40° in der Stadt erstaunlich leicht, der erste Teil der 4 Laufrunden war vom Veranstalter extra parallel zur ursprünglichen Strecke auf Schotter in den Schatten verlegt worden. „Hier wurde ich angespornt durch die vielen Zuschauer, die im Schatten Spalier standen, echtes Gänsehautfeeling eben“, kommentiert Jung. So überholte Jung nach der 39. AK-Position auf dem Rad Konkurrent um Konkurrent und startete eine fulminante Aufholjagd. In der zweiten Laufhälfte nahm er sich den Sieger Jan Frodeno als Vorbild, an jeder Verpflegungsstelle kühlte er sich mit Eiswürfeln im Einteiler, unter der Sonnenschutzmütze, benetzte sich mit Wasser und trank ausreichend. Dabei kalkulierte er die 10 Minuten Zeitverlust, die ihm dadurch entstanden, bewusst ein. Als der Ausnahmeathlet bei Kilometer 40 den letzten Altersklassenkonkurrenten überholte, war er sich dennoch nicht sicher, gewonnen zu haben, schließlich startete ein kleiner Teil der AK 45 bereits um 06:50 Uhr und nicht mit dem Hauptfeld um 7:00 Uhr. Umso größer dann die Freude, auf der Finishline als neuer European Champion ins Ziel laufen zu dürfen! Unter 550 gemeldeten Athleten der teilnehmerstärksten Altersklasse in Frankfurt, sind lediglich 354 ins Ziel gekommen und dann noch mit 3:22:37 Stunden Laufzeit und damit der 28.schnellsten Laufzeit aus dem Amateurbereich! An der Siegerehrung  und Slotvergabe in der Eissporthalle am Montag durfte sich Jörg Jung glücklich mit dem Trikot des Ironman European Champion schmücken.

„Jetzt ist erst einmal Regeneration angesagt und dann zielgerichtetes Training bis zur WM im Oktober in Hawaii“, sagt Jung, „aus der Wettkampfplanung des letzten Jahres mit dem Start am Ironman Zürich Ende Juli, der 70.3 WM in Mont Tremblant, dem Ironman Hawai`i im 4wöchigen Rhythmus habe ich gelernt, das war einfach zu viel und zu dicht hintereinander, um bei der WM in Kailua-Kona in der Altersklasse anzugreifen.“ Am 10. Oktober heißt es dann für Jörg Jung, erneut an der WM teilzunehmen. „Das macht mich einfach sprachlos, jenseits der Vorstellungskraft, zum 4. Mal in Folge die Chance zu haben, auf dem Alii-Drive in Kona zu finishen.“

Jörg bedankt sich bei allen Vereinsmitgliedern, die die ganze Zeit angefeuert und unterstützt haben, besonders Patrick, Klaus und Henrik, die ihn auf der Laufstrecke unterstützten!

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