Eindrücke zum Ironman Zürich von Jörg Jung

(web/jj) Zürich, 27.07.2014 - Widriges Wetter sorgt für erschwerte Schwimm- und Radbedingungen - Jörg Jung rückt auf Ak-Platz 7 nach

Zürich 2014
Jenseits der Vorstellungskraft: Jörg Jung startet zum dritten Mal im Oktober in Hawaii (Foto Jung).

"It ain't over 'til it's over". Das hatte mir ein Freund am Samstag-Abende noch mit auf dem Weg gegeben, als ich dem Saisonziel Hawaii-Quali innerlich endgültig eine Absage erteilt hatte. Ein letzter Test am Donnerstag mit wieder erschreckend hohen Pulswerten und so wollte ich den Start, wie drei Wochen zuvor in Frankfurt auch schon absagen. Yves und Henrik hatten mir gut zugeredet, mein Ziel trotz allem erreichen zu können. Na denn auf nach Zürich.

Die vorhergesagten Wetterdaten haben mir den Rest gegeben. Unter zwanzig Grad und Regen pur rund um den Zürichsee. Gar nicht mein Wetter, weit entfernt von den Kona-Bedingungen die ich so liebe. Aber gut, es sollte ein Selbsttest werden. Nach all den Überlegungen, bei welcher Disziplin noch ein paar Sekunden herauszuholen sind, um die Wunschzeit zu erreichen. Jetzt auf einmal neue Demut vor der Langdistanz, die mir nach 5 recht erfolgreichen Ironmans abhanden gekommen war. Sauber durchs Rennen kommen, das Risiko des 'Platzens' vermeiden und doch möglichst nahe an die Hawaii-Slots zu kommen.

Das Schwimmen in der ersten Startgruppe war doch recht zäh. Auf den Sprint über die ersten Meter habe ich aus Kräftegründen verzichtet. Über 6 Wochen Erkältung, die ja auch zu meinem Startverzicht beim Ironman Frankfurt führten, hatten ihre Spuren hinterlassen. Ich hoffte einfach, daß alles gut geht und mich mein Körpergefühl nicht im Stich lässt. So verzichtete ich auch mit Schwimmuhr und Radtacho an den Start zu gehen, um mir keinen zusätzlichen Stress bei den Zwischenzeiten zu machen. So hatte ich auch meine ersten Langdistanzen bestritten und war nicht schlecht damit gefahren. Der durch das Regenwetter unruhige See, das Gedränge über die erste Runde inklusive meiner Kraftdefizite ließen keine gute Zeit erwarten, aber die sollte ich ja erst im Ziel erfahren. Der Kurs war wohl auch etwas zu lang gesetzt. Mit 1.06.48h eigentlich enttäuschend, unter den Umständen und mit Platz 28 in der Altersklasse zufriedenstellend.

Der Wechsel aufs Rad war nicht ganz so schnell. Kaltes, nasses Wetter taugt nicht wirklich für mich. Mit kalten Beinen galt es auf den ersten flachen 40km an der Nordseite des Sees entlang das Tempo hochzuhalten, was nicht leicht fiel. Bei den ersten Antiegen konnte ich ein paar Plätze gut machen. Nach dem letzten großen Anstieg, bei km 65, auf der zweimal zu fahrenden 90km Runde habe ich allerdings festellen müssen, daß mein Einsatz für die kompletten 180km einen Tick zu hoch sein würde und das Tempo fortan reduzieren müssen. Mir war klar, das die Radzeit nicht schnell genug sein würde, um nah an die führenden Athleten der Ak heranzukommen. Gedanklich bereitete ich mich die letzten beiden Radstunden schon vor, wieder einmal auf der Laufstrecke versuchen zu müssen, die entscheidenden Plätze gut zu machen. 5.14.47h für die 180km hatten mich wenigstens schon mal auf Platz 18 der Ak gebracht, aber auch da: Infos erst im Ziel.

Mit dosiertem Einsatz, jetzt auch mit Hilfe der Pulsuhr, wollte ich erst mal ruhig in den Marathon hineinfinden. Die ersten 21km konnte ich recht gleichmäßig in knapp über 1.35h zurücklegen und hatte das Gefühl, die zweite Hälfte zwar langsamer absolvieren zu müssen, aber eine Gefahr eines'Einbrechens' nicht direkt gesehen. Da kann man positive Gedanken entwickeln. Zumal ich in der letzten der vier Runden wieder vermehrt Athleten einholen konnte. Kurz vor dem Zielkanal der Blick auf die große Zieluhr, die 9.40h waren gerade abgelaufen. Die erste Zeitinfo. War dann doch sehr glücklich diesen Wettkampf ins Ziel zu bringen. Mit dem Marathon in 3.11.48h als schnellster Läufer der Ak konnte ich bis auf Platz 7 vorrücken. Machte im ersten Moment Mut für die Hawaii-Slotvergabe.

Ernüchterung am Montag bei der Slotvergabe am Zürichsee, 5 Plätze standen letztendlich nur zur Verfügung. Die ersten 4 Plätze waren sofort weg, für den fünften und letzten Platz waren noch zwei Schweizer vor mir, die sich überraschender Weise als überaus nette Gastgeber zeigten. ;-) Und dann wurde mein Name aufgerufen. Was für ein Glück. Nach all den letzten frustrierenden Wochen mit vielen Zweifeln. In Frankfurt habe ich am Sonntag morgen am Langener Waldsee den Athleten zugeschaut, wie sie sich in den langen Tag gestürzt haben. Und ich stand außen vor, mit der Frage, ob ich es nicht doch hätte riskieren sollen an den Start zu gehen. Habe ja dann verzichtet und ganz am Ende hat es sich ausgezahlt. Wunderschön, daß Glücksgefühl mit Benedikt bei der Slotvergabe teilen zu dürfen. Was für ein Freude. Zwei Wetterauer und TSV-ler in Kona am 11. Oktober 2014 und wirklich bitter, daß Henrik nicht finishen konnte. Das wäre was gewesen. Schade ebenso, daß Yves trotz einer tollen Form, Schwierigkeiten im Rennen hatte. Anfang August 2011 habe ich meine erste Langdistanz absolviert und sollte eigentlich der Abschluß vom Wettkampfsport sein. Keine drei Jahre später das dritte Mal in Folge die Chance zu haben auf dem Alii-Drive in Kona zu finishen macht mich sprachlos. Jenseits der Vorstellungskraft.

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